Phonetik (Thema 1.3): Akzentuierung in Sätzen und Äußerungen

Erklärungen und wichtige Regeln

(1) Gesprochene Sprache kann, aber muss nicht aus vollständigen Sätzen bestehen.

Vollständiger Satz:

Die Straßenbahnlinien 9, 10 und 11 fahren in diese Richtung.

Unvollständiger Satz (aber dennoch eine sinnvolle Äußerung)

Nächste Haltestelle: Prager/ Riebeckstraße.

Für die Regeln betrachten wir Wortgruppen, die ohne dazwischenliegende Pause gesprochen werden.

(2) In jeder Wortgruppe wird meistens ein Wort besonders deutlich betont – es trägt den Hauptakzent.

Die Stadt Leipzig / liegt an einem bedeutendem Verkehrsknotenpunkt.

(3) In dem Hauptakzent-Wort wird ganz besonders die jeweilige Wortakzentsilbe hervorgehoben, und zwar wird sie lauter, deutlicher, melodisch höher oder tiefer und langsamer als alle anderen Silben gesprochen.

Leipzig, Verkehrsknotenpunkt

(4) Hauptakzente liegen oft auf dem Wort, das für die Aussage am wichtigsten ist. Dabei kann jedes beliebige Wort den Hauptakzent tragen.

Bedeutung
Maria telefoniert mit ihrer Familie. Nicht Anna, sondern Maria telefoniert.
Maria telefoniert mit ihrer Familie. Sie telefoniert – sie mailt nicht.
Maria telefoniert mit ihrer Familie. Sie telefoniert mit ihrer Familie und nicht mit der ihres Freundes
Maria telefoniert mit ihrer Familie. Sie telefoniert mit ihrer Familie und nicht mit ihrem Freund.

(5) Wenn man einen Text sachlich-neutral vorliest (z.B. einen Fachtext), lassen sich einige Regeln aufstellen, welche Wörter betont werden und welche nicht, z.B.

  • Meistens werden betont: Substantive, Verben, Adjektive, Adverbien.
  • Seltener werden betont: Artikel, Präpositionen, Pronomen, Konjunktionen.

(6) Durch die besondere Akzentuierung von Wortgruppen entstehen bestimmte rhythmische Muster.

Guten Tag! Was ist los? ooO
Auf Wiedersehen! oOooo
Komm doch mal her! Geh doch mal wẹg! oooO

(7) Der Rhythmus im Deutschen wird auch Staccato-Rhythmus genannt, weil die akzentuierten Silben viel deutlicher gesprochen werden als alle anderen Silben. Dadurch unterscheidet er sich vom Rhythmus jeder anderen Sprache und klingt manchmal etwas abgehackt.

Zur Aussprache von betonten Silben in Sätzen und Äußerungen

Besonders üben muss man, dass die gesamte Energie wirklich nur auf das akzentuierte Wort (die akzentuierte Silbe) fällt.

  • Wenn die Akzentsilbe am Ende liegt, muss man die Energie fast bis zum Schluss aufsparen:
Komm her! oO
Komm doch her! ooO
Komm doch mal her! oooO
Komm doch mal schnell her! ooooO
  • Wenn die Akzentsilbe gleich am Anfang liegt, ist die Energie sofort fast ganz verbraucht.
Geh doch! Oo
Geh doch mal! Ooo
Geh doch mal bitte! Ooooo
Geh doch mal bitte schnell! Oooooo

Nutzen Sie ansonsten die Tipps zur Wortakzentuierung.

Erstellt von Kerstin Reinke, Herder-Institut (Universität Leipzig)

Zuletzt geändert: Montag, 12. Mai 2014, 11:13