Phonetik: Einführung – warum, wozu und wie?

In dieser kurzen Einführung möchten wir Ihnen den integrierten Phonetik-Übungskurs kurz erklären.

Phonetik bedeutet hier mehr als Aussprache, und zwar:

  • Wir erklären Ihnen wichtige Regeln für die Aussprache.
  • Wir zeigen Ihnen in kurzen Videosequenzen, wie man richtig spricht.
  • Wir bieten Ihnen Übungen zum genauen Hinhören auf die Aussprache an.
  • Wir ermuntern Sie zum Nachsprechen.

Phonetik – warum und wozu?

Wer erst im Jugend- oder Erwachsenenalter eine fremde Sprache erlernt, erreicht zwar mit viel Fleiß auf fast allen Gebieten der Sprache oft noch ein (fast) muttersprachliches Niveau. Der sogenannte fremde Akzent bleibt aber trotzdem meist erhalten und ist manchmal sehr auffällig.

Das liegt daran, dass wir die Muttersprache fast automatisch im Kindesalter erlernt haben, so dass wir selten darüber nachdenken müssen, wie ein Laut oder ein Wort ausgesprochen werden muss. Außerdem erkennen wir die Laute der Muttersprache fast automatisch.

In einer anderen und fremden Sprache gibt es aber neben einigen gleichen und ähnlichen Lauten auch viele neue und ungewohnte Laute. Manche Buchstaben werden anders ausgesprochen, manche Wörter anders betont und auch die Melodie und die Pausengliederung folgen zum Teil anderen Regeln.

Unsere automatisierten Hör- und Sprechgewohnheiten aus der Muttersprache reichen also nicht aus. Wir müssen bewusst neue Gewohnheiten erlernen und alte Gewohnheiten unterdrücken. Das funktioniert nur durch gezieltes Üben.

Ein ganz leichter fremder Akzent ist übrigens nicht besonders problematisch. Man kann daran erkennen, dass jemand kein Muttersprachler ist, aber im Allgemeinen wird die Kommunikation dadurch nicht gestört. Probleme und Missverständnisse entstehen aber, wenn wichtige Ausspracheregeln nicht beherrscht werden.

Zum Beispiel unterscheiden wir Wörter mit Hilfe der Vokallänge, d.h. zwischen den folgenden Aufforderungen besteht ein sehr wichtiger Unterschied:

Bitte geben Sie die Maße an. - Bitte geben Sie die Mạsse an.

Auch [r] und [l] müssen wir unterscheiden. Das sehen wir deutlich am folgenden Satzpaar. Der erste Satz ist sinnvoll, der zweite nicht, er ist höchstens lustig:

Der Rektor leitet die Universität. - *Der Lektor reitet die Universität.*

Sehr störend sind auch falsche Wortakzente. Obwohl sich wenige Wörter allein durch die Betonung unterscheiden, kann man falsch betonte Wörter meist überhaupt nicht verstehen. Im folgenden Beispiel entsteht durch eine veränderte Betonung eine andere Bedeutung.

Hinweis für Autofahrer – welcher ist sinnvoll?

Bäume muss man umfahren. (Das ist sinnvoll!)

Bäume muss man ụmfahren. (Dies wäre nachteilig für Bäume, Auto und Autofahrer!)

Diese und viele andere wichtige Regeln muss man also in der fremden/ deutschen Sprache zunächst kennenlernen und durch Übungen auf die Sprache anwenden. Erst dann kann man gut verstehen, was andere sagen und wird von anderen gut verstanden.

Phonetik – wie?

Ein deutsches Sprichwort sagt: Übung macht den Meister! Das trifft auf die Phonetik vollkommen zu. Vor allem das Gehör muss sich zunächst an den neuen Klang gewöhnen. Erst dann kann man die richtige Aussprache trainieren.

Die Übungen in diesem Kurs sind i.d.R. Hörübungen, die Ihnen die wichtigsten Merkmale der deutschen Aussprache vermitteln. Wir raten Ihnen, diese Übungen mehrmals durchzuführen – am besten mit kleinen Pausen dazwischen.

Wir ermuntern Sie, alle gehörten Beispiele nachzusprechen. Zwar können Sie Ihre eigene Aussprache vielleicht noch nicht genügend kontrollieren und wissen selbst nicht, ob Sie noch Fehler machen. Eine gute Methode ist es aber, jede Tonaufnahme mehrmals zu hören und mit dem Sprecher synchron mitzusprechen. Auch Mitsummen funktioniert gut, da dadurch das wichtige Empfinden für den Sprechrhythmus geschult wird.

In jedem Thema sollten Sie die angebotenen Übungen absolvieren und möglichst auch die angebotene Reihenfolge einhalten, d.h.: Sie lesen zuerst die Regeln und Tipps und hören die dazu angebotenen Beispiele an. Dann sehen Sie im Video, wie man sprechen muss und machen danach die Übungen.

Manche Übungen fallen Ihnen sicher leicht, andere sind schwieriger. Konzentrieren Sie sich besonders auf die schwierigen Übungen. Wiederholen Sie die Übungen mehrmals. Auch wenn Sie schon bei einem späteren Thema angelangt sind, gehen Sie trotzdem immer wieder zu den Übungen früherer Themen zurück. Die neuen Muster müssen unbedingt erst eingeschliffen werden.

Die Übungen enthalten in der Regel 10, 12 oder 20 einzelne Aufgaben. Sie können mitverfolgen, wie viele Beispiele Sie bereits gelöst haben. Es wird Ihnen auch angezeigt, wie viele Aufgaben Sie richtig und wie viele Sie nicht oder falsch gelöst haben.

Zu Ihrer Orientierung finden Sie hier eine Übersicht zur Bewertung:

100% - Höchstpunktzahl einverstandeneinverstandeneinverstanden einverstandeneinverstanden einverstanden gemischt traurig
10 10 9 bis 8 7 bis6 5 weniger als 5
12 12 bis 11 10 bis 9 8 bis 7 6 weniger als 6
20 20 bis 18 18 bis 15 14 bis 11 10 weniger als 10
Perfekt! Sehr gut! Gut! Bitte weiter üben!

1 (Sehr gut) 100–90
2 (Gut) 89–80
3 (Befriedigend) 79–64
4 (Genügend) 63–51
5 (Nicht genügend) 50–0

Welche Übungen sind für Sie besonders wichtig?

Wie bereits gesagt, resultieren die Ausspracheschwierigkeiten in der fremden (deutschen) Sprache aus den besonderen Abweichungen vom Sprachsystem Ihrer Muttersprache.

In der folgenden Tabelle sehen Sie für einige Ausgangssprachen, welche Übungsthemen besonders relevant sind.

Thema/ Übungsthemen ARABISCH CHINESISCH ENGLISCH FRANZÖSISCH RUSSISCH
T1- Wortakzentuierung x x x x x
T1 - Akzentuierung in Äußerungen x x x x x
T2 - Melodisierung x x x x x
T2 - Pausen x x x x x
T3 - Lange und kurze Vokale x x x x x
T3 - Diphthonge x x x x x
T4 - e-Laute x x x x x
T4 - r-Laute x x x x x
T5 - ö- und ü-Laute x x x x x
T5 - Plosive [p, t, k - b, d, g] x x
T6 - Reduktionsvokale x x x x
T6 - s- und sch-Laute x x x
T7 - Vokalneueinsatz und [h] x x x x
T7 - ich- und ach-Laute x x x x x
T8 - Konsonantenverbindungen x x x x
T8 - Stimmlosigkeits-Assimilation x x x x x
T8 - ang-Laut x x x x x
T8 - Emotionale Sprechweise x x x x x
T10 - Dialekte * x x x x x

*Dialekte werden nicht geübt – wir sensibilisieren nur für das Hören und Verstehen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg bei diesen wichtigen Übungen.

Erstellt von Kerstin Reinke, Herder-Institut (Universität Leipzig)

Zuletzt geändert: Montag, 30. Juni 2014, 10:08